Model-Based Business Engineering, Blog by Dr. Juergen Pitschke, +49 351 30935193 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!g

Beobachtungen Process Solution Day 2017 - Teil 1

Ein kurzer Rücklick auf den Process Solution Day 2017 der gfo (Gesellschaft für Organisation). Diesmal das erste Mal in Hannover und nicht am gewohnten Ort in Köln. Die hier geäußerten Meinungen sind meine persönlichen Ansichten und Beobachtungen. Weder meine Firma noch die gfo stehen damit in Verbindung.

 

Der PSD fand zum 12. mal statt. Ursprünglich Idee war es, Anwendern einen einfachen Weg zu bieten, um sich über Angebote für das Prozessmanagment zu bieten. Ich glaube, dieses Anliegen hat der PSD sehr gut erfüllt. Heute ist diese Anliegen eher hinfällig. Komme ich zu Interessenten oder Neukunden ist es eher so, dass unglücklicherweise mehrere Lösungen im Unternehmen bereits existieren und es eher darum geht, diese Toollandschaft zu konsolidieren. Sicher gibt es auch noch die Firmen, die keine Prozessmanagement-Werkzeuge einsetzen und diesen Überblick benötigen. Daher entwickelt sich der Herstellertag immer mehr zu einer Vorstellung neuer Feature der etablierten Herstellen und von "Newcomern". Interessanter scheinen mir da die Anwenderberichte am zweiten Tag. Ich habe unter anderem den Vortrag "Prozessmanagement als Grundlage für Verwaltungsmodernisierung und E-Government inSachsen – Der Ansatz und ein Erfolgsprojekt" von Yves Koscholleck, Sächsisches Staatsministerium des Innern moderiert. Erstens ist Sachsen mein Heimatland, zweitens war es ein sehr guter Vortrag, der den möglichen Nutzen eines solchen Projekts deutlich gemacht hat, Unwägbarkeiten und Herausforderungen und die Lösungen in Sachsen aufgezeigt hat, aber auch deutlich gemacht hat, dass ein solches Projekt natürlich auch ein relevantes Investment darstellt. Ich bin der Meinung , dass solche (methodischen) Fragen in Zukunft beim PSD eine stärkere Rolle spielen sollten. Auf jeden Fall gibt es dort auch ein großes Interesse der Anwender.

Natürlich ist es immer auch gut für mich, Informationen der Hersteller einsammeln zu können. Viele Hersteller sind "alte" (besser langjährige) Freunde, bei denen man sich jedes Jahr über ein Treffen freut. Dazu gehören Semtation (Semtalk), intellior (Aeneis), signavio, GBTec (BIC), BOC (Adonis) und noch einige mehr. Zu beobachten ist, dass die Diskussionen über neue Notationen abgeflaut sind, obwohl es sicher genügend neue Ansätze gibt. DMN wird langsam zu einer akzeptierten Notation für das Entscheidungsmanagment im Rahmen des operativen Geschäftsprozessmanagement. Es findet Eingang in immer mehr Werkzeuge. Man sieht häufiger Werkzeuge mit Archimate 3-Unterstützung. Standard-Notationen sind wichtig, genauso sicher werden viele neue Notationen nicht die Popularität von BPMN erreichen. Jeder sollte sich aber der Limits von BPMN bewußt sein, die zum Entstehen der neuen Notationen geführt haben. Die Unterstützung mehrerer Notationen bringt das Thema "Business Achitektur" und methodische Unterstützung bei vielen Herstellern auf den Tisch.

Immer eine gute Diskussion ist auch das Thema "Collaboration". Hier sind webbasierte Werkzeuge wie signavio klar im Vorteil. Die offenenen Fragen dieser Werkzeuge liegen an anderer Stelle."Klassische" Werkzeuge versuchen diese Thematik anders zu lösen. Werkzeuge in der Microsoft-Umgebung nutzen natürlich die Microsoft-Funktionen (z.B. Sharepoint), andere Hersteller wie intellior oder auch Visual Paradigm bieten Zusatzkomponenten auf Grundlage von Webtechnolgien an oder migrieren vollständig in die Webwelt. Zu diesem Thema demnächst mehr.

Hype-Thema in diesem Jahr war "Process Mining". Neuer Aussteller beim PSD war Celonis. Ich verfolge das Thema seit einigen Jahren, vor allem mit der Lösung Disco von Fluxicon. Auch die Lösung von signavio unter dem Titel "Process Intelligence" ist zu beachten. In Bezug auf "Process Mining" sind die Lösungen von Fluxicon oder auch Celonis als neuerer Hersteller sicher funktionell stark einzuschätzen. Was mir dabei fehlt, ist die mangelnde Integration mit anderen Werkzeugen und Funktionen. Es wird der Eindruck erweckt, dass mit Process Mining alle Probleme gelöst werden. Ein Silver-Bullet-Ansatz. Sicher nicht. Process Mining addressiert ein existentes, wichtiges Problem, aber ersetzt andere Werkzeuge nicht. Hier überzeugt mich signavio mehr, da dort diese Funtionalität mit den vorhandenen Featuren verküpft wird. Die Diskussionen mit Celonis haben mich nur zum Teil befriedigt. Verschiedene (realistische) Preismodelle für verschiedene Anwendungsszenarien sind im Moment Mangelware - eben ein typisches Hype-Thema. Schauen wir auf die zukünftige Entwicklung. Process Mining sollte in die Werkzeugkiste eines Analysten/Prozessberaters gehören, aber es gehört wie immer Methodik und ein Bewußtsein für die Probleme dazu. Sonst ist das ein sicherer Weg in eine Sackgasse.

Dr. Juergen Pitschke

Tags: MBBE, Events, Tools