Model-Based Business Engineering, Blog by Dr. Juergen Pitschke, +49 351 30935193 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!g

Spezialisierung vs. Agiles Vorgehen – Widerspruch oder nicht?

So nach und nach möchte ich Beträge aus meinen alten Blogs integrieren, die durchaus noch aktuell sind. Den nachfolgenden Post hatt ich im September 2015 veröffentlicht. Durchaus noch aktuell. Einerseits benötigen wir tiefes Wissen für komplexe Fragen. Andererseits nützen uns keine Insellösungen.


Am 11. September 2015 habe ich in Hamburg bei der solutions.hamburg einen Vortrag gehalten. Eine meiner Thesen war, dass wir in der Business Analyse mehr Spezialisierung brauchen. Der Grund dafür ist einfach: Wir haben neue und komplexe Konzepte wie Entscheidungsmanagement oder Case Management. Ich halte es für schwierig, dass ein einzelner Mensch alle diese Konzepte versteht und sehr gut anwenden kann.

Mein Kollege Marcus Winteroll von oose hatte den Einwand, dass Agile Methoden Spezialisierung nicht favorisieren.

In der Tat lassen sich zum Beispiel im Buch „Disciplined Agile Delivery“ von Scott Ambler und Mark Lines entsprechende Zitate finden. Z.B. im 1. Kapitel „As such, agile methods deemphasize specific roles.“ Dort heisst es etwas später aber auch „This doesn’t imply that everyone need to be an expert at everything, but it does imply that the team as a whole should cover the skills required of them and should be willing to pick up any missing skills as needed.“ Scott Ambler und Mark Lines nennen das „generalizing specialist“.

Und hier kommt beides zusammen. Ein Spezialist ist kein Fachidiot. Ich bezweifle, dass Decision Management ohne gutes Wissen über Geschäftsprozessanalyse möglich ist (und umgekehrt). Ich bezweifle aber auch, dass alle Teammitglieder beides perfekt beherrschen.

Verglichen mit Software- und System-Entwicklung habe wir bisher in der Business Analyse nur wenig Spezialisierung. Ich glaube, dass muss und wird sich ändern.

Quelle: Scott Ambler und Mark Lines, Disciplined Agile Delivery, IBM Press, ISBN 978-0132810135

BPMTips.com - Post: BPM Skills in 2017 – Hot or Not

Zbigniew hat auf seinem Blog einen interessanten Post veröffentlicht: BPM Skills in 2017 – Hot or Not.

Mit dabei Meinungen von mehr als 20 Experten - z.B. Roger Bulton, Sandy Kemsley, James Taylor, Jim Sinur. Es ist schwer einzelne Meinungen herauszuheben. Für mich macht der Mix den Wert des Posts aus. Dazu muss man den Post natürlich komplett lesen ;-)

Buchempfehlung "Real-world Decision Modeling with DMN" von James Taylor und Jan Purchase

Pünktlich zum Jahresende ist das Buch "Real-world Decision Modeling with DMN" von James Tylor und Jan Purchase erschienen (ISBN 978-0929652597, Amazon.de-Link).

Ich hatte die Freude und die Ehre das Buch vorab zu lesen und mein Feedback zu geben. Natürlich muss man in einem solchen Buch die Standardnotation erklären. Das allein wäre aber eher langweilig. Wenden wir eine Standardnotation an, kommen immer die Fragen zu Arbeitstechniken, Methodik und dem "Drumherum" (dem Kontext) auf. Diese Fragen sind für einen erfolgreichen Einsatz der Notation viel wichtiger. Statt sich einer "Zertifikation" für eine Notation zu unterziehen, sollten Anwender sich mit diesen Fragen auseinandersetzen.

Das Buch bietet hierfür sehr viel "Denkfutter" und zeigt die große praktische Erfahrung von James und Jan. Es hebt sich damit wohltuend von anderen Büchern (z. B. DMN Method and Style von Bruce Silver) ab. Das Buch ist mit vielen Beispielen versehen. Viele der Beispiele stammen aus der Finanzwelt. Das hat seine Ursache vor allem darin, dass Banken und Versicherung die ersten waren, die das Thema "Business Decision Management" aufgegriffen haben. Die Beispiele lassen sich auf andere Industrien übertragen.

Die beschriebenen Arbeitstechniken stellen kein Dogma dar. Einige Arbeitstechniken sind allgemeiner Natur (Wie grenze ich eine Entscheidung ab?). Andere Arbeitstechniken sind für bestimmte Fragestellungen relevant. Jeder muss kreativ und kritisch entscheiden, was für seine Initiative und seinen Anwendungsfall am besten geeignet ist. Dazu gehört Erfahrung.

Ich wünsche dem Buch viele Leser. Wir werden es sicher in unsere Workshops einbeziehen.