Model-Based Business Engineering, Blog by Dr. Juergen Pitschke, +49 351 30935193 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!g

Die Konferenz-Saison 2017 ist vorbei

Die Konferenz-Saison ist vorbei. Ich hatte sowohl in London bei der EACBPM -Europe als auch bei der BBC 2017 in Florida eine Präsentation. Die Unterlagen sind unter Präsentationen zu finden. Natürlich gilt das gesprochene Wort. Die Präsentationen geben nur einen Eindruck. Ich werde zu beiden Präsentationen weitere Imformationen geben und freue mich über Rückmeldungen und Fragen.

Beide Konferenzen hatten ein Begleitprogramm mit Ausstellung von Werkzeugherstellern. Vielleicht lassen sich daran auch Unterschiede in der Positionierung und Ausrichtung ablesen. Ob das Marktrends wiedergibt oder auch in den Vorlieben und Möglichkeiten der Veranstalter liegt, sei dahin gestellt.

In London war ein Schwerpunkt  in "Workflow"-Werkzeugen zu erkennen. Neue Hersteller wie Dell Boomi oder etablierte Hersteller wie Aura Portal waren vertreten. Die Diskussionen über "No-Coding" oder "Low-Coding" sind (glücklicherweise) abgeflacht, auch wenn noch nicht verschwunden.

Bei der BBC 2017 in Florida sehe ich andere Themen und Schwerpunkte. Sicher hat die Konferenz als offizielle IIBA-Konferenz einen anderen Schwerpunkt. Natürlich spielt das Thema "Automatisierung" auch dort eine große Rolle - egal üb es um die Automatisierung von Prozessen oder Entscheidungen geht. Bevor ich etwas automatisieren kann, muss ich es aber verstehen, analysieren; ist es automatisiert, muss ich messen, um zu optimieren und kontinuierlich zu verbessern.

Ein Buzzwort war auf jeden Fall Agilität (Business Agilität) mit der Vorstellung des "Business Agility Manifesto" durch John Zachmann, Ron Ross und Roger Burlton. Sicher teilt nicht jeder jedes Statement -aber das Manifesto soll zur Diskussione anregen.

Dazu passen auch meine Präsentationen: Bevor wir etwas umsetzen, analysieren, messen oder optimieren, müssen wir das "Etwas" beschreiben-. Das heißt modellieren - nicht nur visuell modellieren, sondern in jedweder Form. Wie können wir "agil" sein, wenn unsere Modelle/Beschreibungen nicht agil sein. Dem steht oft unsere "Kultur" entgegen, Zu diesem Thema bald mehr.

 

Webinar mit Scott Ambler: Agile Modeling: A Disciplined Approach to Modelling and Documentation

 

Am Dienstag besuchte ich das Webinar "Agile Modeling: A Disciplined Approach to Modelling and Documentation" mit/von Scott Ambler. Scott ist im Bereich Systemmodellierung, Systementwicklung, agile Entwicklungsmethoden zu Hause und bekannt. Trotzdem sind viele seiner Gedanken auch im Feld "Business Modeling" sehr zutreffend. Außerdem prägt Scott immer sehr treffende Formulierungen.

Am Dienstag benutzt er mehrfach die Formulierung "Under Modelling" und begründete das auch - was sind z.B. die Vorteile. Ich stimme dem voll zu, die Argumentation ist im Bereich Geschäftsmodellierung genauso richtig. Ein sehr häufiges Problem zum Beispiel bei der Geschäftsprozessmodellierung ist es, das Prozesse viel zu detailliert beschrieben werden, der Aufwand zu hoch ist und das Verständnis und die Akzeptanz der Modelle sinkt. Bei "Under Modelling" nimmt man bewusst in Kauf, das Modelle nur bis zu einer gewissen Abstraktionsstufe ausreichend vollständig und korrekt sind. Ja, das ist in diesem Fall sogar beabsichtigt. Ein Argument ist, das es effektiver ist, fehlende Modellinhalte zu ergänzen. Wahrscheinlich machen uns Stakeholder sehr schnell auf fehlende Inhalte aufmerksam, oft können sie auch Informationen dazu liefern.

Was steht diesem Ansatz entgegen? Zuerst mal unsere Kultur. Deutsche sind oft zu präzise und wollen alle Aktivitäten vollständig uns präzise beschreiben. Und das im ersten Versuch. Darunter kann auch die Akzeptanz sehr leiden. Bei einem (potentiellen) Kunden hatte ich letzteie Situation, dass im Prozessmodell die Aktivität "Maschine einschalten" auftrat. Angenommen wir sind der Arbeiter, der für diese Schritte verantwortlich ist. Wie wird der reagieren? Wir dürfen, nein wir müssen davon ausgehen, dass Mitarbeiter Intelligent genug sind. Es mag Fälle geben, in denen wir solche Aktivitäten sogar im Detail beschreiben.  Zum Beispiel wenn diese Aktivitäten aus Compliance-Sicht sehr relevant sind.

Häufiger werden diese Aktivitäten aber beschrieben, um sie beschrieben zu haben. Und dann kann "Under Modelling" hilfreich sein. Wir müssen das auch im Prozess der Modellentwicklung sehen und einordnen.

Der Foliensatz des Webinars ist zum Beispiel auf LinkedIn zugreifbar. Wichtiger ist das gesprochene Wort. Eine Aufzeichnung des Webinars ist auf youtube zu finden.

Was ist eine Prozesslösung? - Beobachtungen Process Solution Day 2017 - Teil 2

Wenn es einen Rückblick Teil 1 gibt muss es ja auch einen Teil 2 geben... Es hat ein wenig gedauert, aber hier ist der Teil 2, gemischt mit einigen Beobachtungen zum Toolmarkt.

Wie schon geschrieben, war in diesem Jahr das Thema "Process Mining" ein Schwerpunktthema. Die Lösungen haben mir nur begrenzt gefallen, ich hatte das Thema bereits als "Hypethema" gekennzeichnet, Vor allem die mangelnde Integration in eine BPM-Toolumgebung fällt negativ auf. Einzige Ausnahme ist dabei Sigavio. Die entsprechende Lösung versucht die Funktionen mit anderen traditionellen Modellierungsfunktionen sinnvoll zu verbinden. Auch wenn die Lösung vielleicht (noch) nicht alle Funktionen bietet, die andere Lösungen bieten. halte ich das für den besseren Weg. Viele andere Lösungen tun so, als ob herkömmliche Lösungen dadurch ersetzt werden. Das wird nicht gescheheh, auch wenn Process Mining eine wichtige Ergänzung zu bisherigen Vorgehensweisen ist.

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