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Geschäftsprozessmuster und BPMN

download button Autor: Dr. Juergen Pitschke, BCS-Dr. Juergen Pitschke

Geschäftsprozessmuster und BPMN / Tooltips BPM,Visual Paradigm

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BPMN-Modelle

BPMN wird allgemein als Universal-Notation für die Beschreibung von Geschäftsprozessen betrachtet. Die Notation definiert dabei "nur" die grundlegenden Elemente, vereinheitlicht die Darstellung und definiert ein Austauschformat. (siehe (OMG 2016) und Abbildung 1: BPMN-Palette).

BPMN Palette 

Wir wollen Geschäftsprozesse auch auf höheren Abstraktionsstufen beschreiben.
Modelle bestehen dabei aus einer Menge der grundlegenden Elemente. Wir beschreiben zusammengehörige Geschäftsprozesse. Zur Vereinfachung der Modellierung und Vereinheitlichung der Modelle definieren wir "Muster", die wiederkehrende Sachverhalte immer wieder auf gleiche Art darstellen.

Muster – Beispiele

"Muster" wiederholen sich und kombinieren verschiedene Grundelemente. Durch solche Muster (oder Templates) wird die Lesbarkeit der Geschäftsprozessmodelle erhöht.
Ein Beispiel für solch ein Muster ist eine Wiedervorlage. Eine Wiedervorlage zeigt immer denselben Ablauf und dieselben Prozessteilnehmer. Was sich unterscheidet ist das Wiedervorlageobjekt: Einmal legen wir eine Rechnung wieder vor, einmal einen Zollbescheid, einmal ein anderes "Wiedervorlageobjekt". Die Wiedervorlage als Beispiel für ein Muster hatte ich bereits auf unserem BPMN-Poster gezeigt (siehe (BCS - Dr. Juergen Pitschke 2019). Abbildung 2: Beispiel für ein Prozessmuster – Wiedervorlage zeigt das Geschäftsprozessmuster.

Wiedervorlage

Viele weitere solche Muster sind denkbar. Darius Silingas von NoMagic hat weitere solche Muster genannt. Beispiel wäre ein "Wettbewerbsmuster". Ein "Wettbewerb" kann zum Beispiel bei der Einstellung eines Mitarbeiters geschehen. Wir schreiben eine zu besetzende Arbeitsstelle aus, in der wir die geforderten Qualifikationen des Bewerbers beschreiben. Aus den eingehenden Bewerbungen treffen wir eine Vorauswahl. Aus dieser Vorauswahl entscheiden wir uns dann für eine Bewerber. Der Wettbewerb.
Gleiches geschieht aus Geschäftsprozess-Sicht beim Erwerb eines Gerätes. Hier unterscheidet sich das Wettbewerbsobjekt. Wir suchen nicht einen Mitarbeiter, sondern wünschen den Erwerb eines Gerätes. Der Ablauf ist aber gleich. Es ist ein Muster. Anhand definierter, geforderter Eigenschaften erhalten wir eine Reihe von Angeboten, aus denen wir zuerst eine Vorauswahl treffen und uns dann für das zu erwerbende Gerät entscheiden. Der  Wettbewerb.

Definition eines Geschäftsprozessmusters

Verschiedene Werkzeuge für die Geschäftsprozessmodellierung bieten Funktionen für die Definition und Nutzung solcher Muster. Zuerst müssen wir uns darüber Gedanken machen, welche Muster wir anbieten wollen, damit sich der Aufwand lohnt und der Vorteil der Nutzung von Mustern realisiert wird. Zwei Beispiel habe ich hier schon genannt: Wiedervorlage und Wettbewerb. Was ist in beiden Fällen ähnlich? Wie können wir ein solches Muster beschreiben? Wie können wir solche Muster identifizieren?

Einheitlich ist der beschriebene Ablauf des Geschäftsprozesses. Die Elemente für Beschreibung und Steuerung des Ablaufs sind gleich. Je nach Muster können dabei Varianten definiert werden.
Variabel ist das betrachtete Objekt. Im Fall der Wiedervorlage das "Wiedervorlage-Objekt". Wir nutzen das Muster "Wiedervorlage" für verschiedene konkrete Objekte. Zum Beispiel eine Rechnung oder eine Mahnung oder einen Zollbescheid.
Varibel sind dabei möglicherweise zusätzlich die Prozessbeteiligten. Wie im Fall der Objekte versuchen wir einen Oberbegriff zu finden. Diese Rolle wird später durch konkrete Prozessbeteiligte ersetzt. Zum Beispieldurch den Rechnungsempfänger oder den Zollbearbeiter.

Da wir der Klassifikation des Zachman-Frameworks folgen, ist die Frage der Variablen leicht zu beantworten: Welche Abstraktion ist variabel, welche nicht?

  • Abstraktion What: variabel; siehe oben
  • Abstraktion How: nicht variabel, Varianten in begrenztem Umfang zugelassen
  • Abstraktion Where: variabel
  • Abstraktion Who: variabel
  • Abstraktion When: variabel
  • Abstraktion Why: kann variabel sein; ist in der Regel für ein Muster nicht variabel

Die Definition eines Musters beinhaltet zuerst eine kurze Beschreibung des nicht variablen Teils. Was macht das Muster aus? Was ist der eigentliche Zweck des Musters? Welcher (variable) Teil verursacht eine mögliche Variante?

Wir benennen die variablen Teile des Musters. Wie erwähnt versuchen wir einen Oberbegriff zu finden. Je nach Abstraktion gibt der Name des Muster Hilfestellung: Zum Beispiel "Wiedervorlage-Objekt".
Nicht immer hilft das. Verschiedentlich bilden wir Teilmengen. Bei dem Wettbewerbsbeispiel "Bewerbung" haben wir als Prozessbeteiligte (Abstraktion How) nicht den "Wettbewerbsteilnehmer 1" und den "Wettbewerbsteilnehmer 2" sondern Teilmengen des Wettberbsteilnehmers, wie den "Bewerber" und den "Arbeitgeber".

Zusammengefasst können wir sagen, das ein Geschäftsprozessmuster sich dadurch auszeichnet, dass der Ablauf die vereinheitlichende Eigenschaft ist. Der Name des Musters trägt dem Rechnung. Was ist allen "Wiedervorlagen" gleich? Wodurch entsteht Variabilität oder Spezialisierung? Beispiel: "Wiedervorlage Rechnung". Das Bilden solcher Untermengen und Klassifikationen hilft bei der Identifikation von Teil-Mustern oder Varianten.

Geschäftsprozessmuster in Visual Paradigm

Visual Paradigm gestattet die Defintion und Nutzung von Modellmustern, dort als Template benannt.
Dafür wählen wir die Elemente der Geschäftsprozesses aus, die zum Muster gehören sollen. Aus dem Kontextmenü wählen wir Define Design Pattern.

MusterDefinieren 

Bei der Definition der Muster können (und sollten) wir eine Beschreibung hinterlegen. Dafür können wir in der üblichen Form Beschreibungstemplates hinterlegen und nutzen. Wir wählen aus, wo das Muster abgespeichert werden soll – im Workspace oder in einem Verzeichnis. Es empfiehlt sich dafür ein Verzeichnis aller Vorlagen zu erstellen, das allen Projektmitgliedern zugänglich ist.

Musterdefinition 002

Um das Muster anzuwenden, wählen wir Utilities->Apply Design Pattern aus dem Kontextmenü und wähle das definierte Muster aus. Dabei sollte uns die Beschreibung des Musters helfen. Die Muster sind zuätzlich nach den benutzten Notationen kategorisiert.
Wir können Muster für alle unterstützten Notationen definieren. Im Geschäftsprozessmanagement zum Beispiel für CMMN oder Entscheidungsmanagement. Für die Entwicklung mit UML ist Model-View-Controller (MVC) ein gängiges Muster.

Literaturverzeichnis

BCS - Dr. Juergen Pitschke. BPMN 2.0 für Business Analysten - Das andere Poster. 2019. https://www.enterprise-design.eu/files/images/downloads-wissen/bpmn_ba_a3.pdf (Zugriff am 13. 08 2019).
OMG. Business Process Model and Notation (BPMN) Version 2.0.2. OMG-Standardnotation, Object Management Group, OMG Document Number: formal/2013-12-09, 2016.
Visual Paradigm, Inc. Visual Paradigm User Guides. 03 2019. https://www.visual-paradigm.com/support/documents/ (Zugriff am 30. 03 2019).

 

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Tags: Tools, Visual Paradigm